Ernährungs- und Alltagsempfehlungen bei Gicht, erhöhter Harnsäure und Bluthochdruck

 


Ernährungs- und Alltagsempfehlungen bei Gicht, erhöhter Harnsäure und Bluthochdruck

Auf Grundlage aktueller Ernährungsempfehlungen und angepasst an die Ernährungsgewohnheiten in der Schweiz und in Deutschland.

Viele Menschen mit Gicht fragen zuerst: „Was darf ich überhaupt noch essen?“ Die gute Nachricht ist: Eine sinnvolle Ernährung bei Gicht bedeutet nicht, auf alles verzichten zu müssen. Entscheidend sind vor allem Auswahl, Menge, Häufigkeit und die Kombination der Lebensmittel.

Gicht wird häufig erst dann ernst genommen, wenn ein Gelenk plötzlich stark schmerzt, anschwillt und sich rötet. Die eigentliche Stoffwechselstörung beginnt jedoch meist viel früher: Ist der Harnsäurespiegel über längere Zeit erhöht, können sich Harnsäurekristalle in Gelenken und anderen Geweben ablagern. Gleichzeitig treten erhöhte Harnsäurewerte häufig zusammen mit Bluthochdruck, Übergewicht und Stoffwechselstörungen auf.

Deshalb geht es bei der Ernährung nicht nur darum, einen akuten Gichtanfall zu vermeiden. Langfristig sollen Harnsäurestoffwechsel, Blutdruck und Gewicht gemeinsam günstig beeinflusst werden.

Nicht alles mit Purinen muss verboten werden

Früher erhielten viele Gichtpatienten sehr strenge Listen mit Lebensmitteln, die sie angeblich überhaupt nicht mehr essen dürfen. Heute ist die Betrachtung differenzierter.

Besonders ungünstig sind vor allem grössere Mengen tierischer Lebensmittel mit hohem Puringehalt. Dazu gehören insbesondere Innereien wie Leber und Niere sowie verschiedene Fleisch- und Meeresprodukte. Milch, Milchprodukte und Eier enthalten dagegen nur sehr wenig Purin. Auch pflanzliche Lebensmittel müssen nicht pauschal gemieden werden. Die zugrunde liegende Ernährungsempfehlung weist ausdrücklich darauf hin, dass beispielsweise Tofu und andere verarbeitete Sojaprodukte in angemessener Menge gegessen werden können.

Für den Alltag bedeutet das: Es ist meist sinnvoller, die Portion Fleisch zu verkleinern und häufiger Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Eier oder Milchprodukte zu wählen, als eine komplizierte Purintabelle auswendig zu lernen.

Brot ist meistens nicht das Problem – der Belag oft schon

Ein typisches Frühstück mit Vollkornbrot, Ruchbrot oder Haferflocken passt grundsätzlich gut zu einer harnsäurebewussten Ernährung.

Problematischer wird es, wenn Brot regelmässig mit Salami, Speck, Landjäger, Fleischkäse, Leberwurst oder grossen Mengen Schinken kombiniert wird. Diese Produkte liefern nicht nur tierische Purine, sondern häufig auch viel Salz und Fett.

Eine günstigere Variante wäre beispielsweise Vollkornbrot mit Quark oder Frischkäse, Ei und Gemüse oder Haferflocken mit Naturjoghurt und Beeren.

Käse ist bei Gicht erlaubt – aber Bluthochdruck spielt ebenfalls eine Rolle

Milch und Milchprodukte sind purinarm und können eine gute Eiweissquelle sein. Naturjoghurt, Milch, Quark oder Hüttenkäse passen deshalb gut in den Speiseplan.

Bei Käse muss man allerdings noch etwas anderes berücksichtigen: Viele Schweizer Hart- und Bergkäse enthalten relativ viel Salz und Fett. Für einen Menschen mit gleichzeitigem Bluthochdruck ist deshalb auch hier die Menge entscheidend.

Gruyère, Emmentaler, Bergkäse, Raclette oder Fondue müssen nicht grundsätzlich verboten werden. Sie sollten jedoch eher Genussmittel als tägliche Hauptnahrungsmittel sein.

Gerade bei Fondue oder Raclette entsteht die Belastung häufig durch die Kombination: viel Käse, zusätzlich Fleisch oder Wurst und dazu Alkohol.

Fleisch: weniger und kleinere Portionen

Rind-, Schweine- und Lammfleisch enthalten deutlich mehr Purine als Milchprodukte oder Eier. Besonders Innereien sollten bei Gicht möglichst vermieden werden. Die zugrunde liegende Leitlinie zählt Leber und Niere zu den purinreichen Lebensmitteln.

Im Alltag bedeutet dies nicht unbedingt, vollständig vegetarisch zu leben. Sinnvoller ist häufig, Fleisch nicht jeden Tag zu essen und die Portion deutlich kleiner zu halten.

Auch verarbeitete Fleischwaren wie Cervelat, Bratwurst, Salami, Speck, Trockenfleisch oder Fleischkäse sollten nur selten gegessen werden. Bei Bluthochdruck kommt zusätzlich der oft hohe Salzgehalt hinzu.

Fisch ist gesund – aber nicht jeder Fisch ist für Gicht gleich günstig

Fisch gehört grundsätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung. Bei Gicht sollte jedoch auch hier die Auswahl berücksichtigt werden.

Einige Fisch- und Meeresprodukte weisen einen hohen Puringehalt auf. Dazu gehören beispielsweise Sardinen, Makrelen, Muscheln, Austern und verschiedene Meeresfrüchte.

Deshalb ist „mehr Fisch statt Fleisch“ für einen Gichtpatienten nicht automatisch die richtige Lösung. Kleine Portionen ausgewählter Fischarten sind sinnvoller als grosse Mengen oder täglicher Fischkonsum.

Kartoffeln, Reis und Vollkornprodukte sind gute Beilagen

Kartoffeln sind purinarm und für Gichtpatienten grundsätzlich gut geeignet. Gleiches gilt für viele Getreideprodukte.

Auch Rösti ist nicht wegen der Kartoffel problematisch. Entscheidend sind Zubereitung und Beilagen.

Eine Rösti mit Gemüse und Ei ist etwas anderes als Rösti mit Speck, Bratwurst, viel Käse und einer kräftigen Sauce.

Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis und andere Vollkornprodukte sind gute Möglichkeiten, die Ernährung abwechslungsreicher und ballaststoffreicher zu gestalten.

Gemüse darf reichlich auf den Teller

Viele Patienten beginnen nach einer Gichtdiagnose, auch Gemüse sehr stark einzuschränken. Das ist meist nicht sinnvoll.

Eine pflanzenbetonte Ernährung mit reichlich Gemüse ist ausdrücklich erwünscht. Die Leitlinie empfiehlt täglich reichlich frisches Gemüse und nennt als Orientierungswert etwa 500 Gramm pro Tag.

Salat, Tomaten, Gurken, Karotten, Zucchetti, Broccoli, Blumenkohl, Paprika oder verschiedene Kohlarten können deshalb regelmässig gegessen werden.

Eine einfache Regel lautet:

Zuerst Gemüse planen – danach überlegen, welches Eiweiss dazu passt.

Bier und Alkohol verdienen besondere Aufmerksamkeit

Bei Gicht spielt Alkohol eine wichtige Rolle. Alkohol kann sowohl die Bildung von Harnsäure fördern als auch deren Ausscheidung über die Niere vermindern. Die Leitlinie empfiehlt deshalb eine deutliche Einschränkung; bei akutem Gichtanfall oder schlecht kontrollierter Erkrankung sollte auf Alkohol verzichtet werden.

Gerade in Deutschland und der Schweiz ist Bier häufig Teil des normalen gesellschaftlichen Lebens. Für Menschen mit wiederholten Gichtanfällen ist es jedoch besonders ungünstig.

Auch Wein ist nicht „harnsäureneutral“. Entscheidend ist letztlich die gesamte Alkoholmenge.

Besonders ungünstig ist die klassische Kombination aus viel Fleisch, Wurst und Bier.

Fruchtsaft ist kein Ersatz für Obst

Ein Glas Apfelsaft oder Orangensaft wirkt zunächst gesund. Für Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel ist regelmässiger Fruchtsaft jedoch weniger günstig.

Die Leitlinie empfiehlt, Getränke und Lebensmittel mit hohem Fruktosegehalt zu begrenzen. Dazu gehören insbesondere gezuckerte Getränke und Fruchtsäfte. Ganze Früchte werden dagegen anders bewertet, weil sie gleichzeitig Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe liefern.

Eine einfache Empfehlung lautet deshalb:

Obst essen – Saft nur selten trinken.

Wasser, Mineralwasser, ungesüsster Tee oder Kaffee ohne Zucker sind im Alltag die bessere Wahl.

Bei Bluthochdruck ist Salz genauso wichtig wie Purin

Wer gleichzeitig Gicht und Bluthochdruck hat, sollte nicht nur auf Purine achten.

Die Ernährungsempfehlung nennt als Orientierung eine maximale Salzaufnahme von ungefähr 5 Gramm pro Tag. Besonders viel Salz steckt häufig in Wurstwaren, Trockenfleisch, Fertiggerichten, Suppen, Saucen, Chips und Käse.

Es lohnt sich deshalb, beim Einkauf nicht nur auf Zucker und Fett, sondern auch auf den Salzgehalt zu achten.

Regelmässig trinken – aber nicht bei jedem Patienten gleich viel

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Ausscheidung von Harnsäure. Bei Menschen mit normaler Herz- und Nierenfunktion werden etwa zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag als Orientierung genannt.

Diese Empfehlung gilt jedoch ausdrücklich nicht automatisch für Menschen mit eingeschränkter Nieren- oder Herzfunktion.

Wer bereits eine Nierenerkrankung, Herzschwäche oder eine ärztlich verordnete Trinkmengenbegrenzung hat, sollte seine individuelle Trinkmenge mit dem behandelnden Arzt abstimmen.

Gewicht reduzieren – aber nicht radikal

Übergewicht erhöht das Risiko für Hyperurikämie und Gicht. Eine langsame Gewichtsreduktion kann deshalb sehr sinnvoll sein.

Radikale Diäten, Fastenkuren und schnelles Abnehmen sind dagegen ungünstig. Die Leitlinie empfiehlt bei notwendiger Gewichtsreduktion ein langsames Vorgehen von ungefähr 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche.

Entscheidend ist eine Ernährung, die langfristig durchgehalten werden kann.

Bewegung gehört zur Behandlung

Zwischen den Gichtanfällen sind regelmässige Bewegung, Spaziergänge, Velofahren, Schwimmen oder andere moderate Aktivitäten sinnvoll.

Während eines akuten Gichtanfalls sollte das betroffene Gelenk dagegen geschont werden. Intensive sportliche Belastung während einer akuten Gelenkentzündung ist nicht sinnvoll.

Auch ausreichender Schlaf, regelmässige Tagesabläufe und das Vermeiden längerer Phasen von Dehydrierung gehören zu einer guten langfristigen Strategie.

Ein einfacher Teller für den Alltag

Eine Mahlzeit muss nicht kompliziert sein. Als Orientierung kann der Teller ungefähr so aufgebaut werden:

  • ½ Teller: Gemüse oder Salat
  • ¼ Teller: Kartoffeln, Vollkornprodukte oder Reis
  • ¼ Teller: Ei, Milchprodukt, Tofu oder eine kleine Portion Fleisch oder Fisch

Dazu Wasser oder ungesüssten Tee.

Einige einfache Beispiele:

Frühstück:
Haferflocken mit Naturjoghurt und Beeren

Mittagessen:
Kartoffeln, viel Gemüse und eine kleine Portion Poulet

Abendessen:
Vollkornbrot mit Quark, Ei und Salat

Zwischenmahlzeit:
Apfel, Birne, Beeren oder Naturjoghurt

So entsteht keine „Gichtdiät“, sondern eine normale, ausgewogene Ernährung, die gleichzeitig den Harnsäurestoffwechsel, den Blutdruck und das Körpergewicht berücksichtigt.

Entscheidend ist das Gesamtbild

Bei Gicht geht es nicht darum, einzelne Lebensmittel zu verteufeln. Entscheidend sind Häufigkeit, Menge und Kombination.

Ein Stück Käse, eine Portion Fleisch oder gelegentlich ein Glas Wein entscheiden nicht allein über den Verlauf der Erkrankung. Problematisch wird vielmehr ein dauerhaftes Muster aus viel Fleisch und Wurst, häufigem Alkohol, zuckerhaltigen Getränken, wenig Gemüse, Übergewicht und zu wenig Bewegung.

Wer seine Ernährung Schritt für Schritt verändert, kann damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Kontrolle von Harnsäure und Blutdruck leisten.

Quellen und Hinweis zur Anpassung

Die medizinischen Grundprinzipien dieses Beitrags orientieren sich unter anderem am „Leitfaden zur Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht bei Erwachsenen, Ausgabe 2024“ der National Health Commission of the People’s Republic of China. Der Leitfaden empfiehlt unter anderem eine purinbewusste und abwechslungsreiche Ernährung, reichlich Gemüse und geeignete Milchprodukte, eine Einschränkung von Fruktose und Alkohol, eine angemessene Flüssigkeitszufuhr, eine salzarme Ernährung, Gewichtskontrolle und regelmässige Bewegung.

Die Empfehlungen wurden für diesen Beitrag an typische Ernährungsgewohnheiten in der Schweiz und in Deutschland angepasst. Deshalb werden bewusst Lebensmittel und Alltagssituationen aufgegriffen, die im deutschsprachigen Raum häufig vorkommen, zum Beispiel Brot, Käse, Wurstwaren, Fleisch, Bier, Wein, Rösti, Raclette, Fondue und Fruchtsäfte.

Diese Anpassung betrifft vor allem die praktische Umsetzung im Alltag. Die grundlegenden ernährungsmedizinischen Prinzipien der zugrunde liegenden Quelle wurden dabei nicht verändert.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder notwendige medikamentöse Behandlung. Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wiederholten Gichtanfällen oder einer medikamentösen Behandlung sollten Ernährung und Trinkmenge individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

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